Material / ergänzende Information zum Antrag
Projekt-Tagebuch-Notizen:
September 2026, Recherche-Beginn.
Ich habe manchmal an meinen alten Koffer gedacht, den ich Ende November 2019 in Gaza ließ weil wir dachten ich würde schon bals 2020 wieder kommen und es sei leichter, die Dinge nicht immer hin und herzuschleppem. Ich erinnere mich, dass viele Papiere darin waren, Stückfassungen, Kleider, die ich nur in Gaza trage, langärmelige hochgeschlossene. und ein sehr schöner graugrüner Schal mit silbrigen Fäden darin. das kann nicht alles gewesen sein?! es war ein großer Koffer und manchmal, wenn ich andere Dinge vermisse, denke ich, vielleicht sind sie in jenem Koffer. die Wohnung in der wir damals probten und in der ich den Koffer ließ, wurde erst in den letzten Tagen des Krieges zerstört. das Theater, das Jamal und Isra damals aufbauten, und das wir schon nutzen als es noch Rohbau war, überdaurte den krieg in der Todes-Zone, es lag im Streifen zwischen Norden und Süden, lange wußten Isra und Jamal nicht ob es noch stand, bis jemand ihnen sagte: “wir haben gerade Euer Kulturzentrum gesehen, die IDF nutzt es als Station für Pressekonferenzen.” auch dieses Gebäude das ich habe wachsen sehen und mithalf, dass es wachsen konnte, wurde Schutt und Asche. – Mein Koffer… ist eigentlich nicht der Rede wert, Wirklich vermissen tu ich nichts. es fehlt an nichts. aber seit gestern denke ich wieder an ihn, denn Jamals Sohn Salem schickte mir einen kleinen Teil von ihm.

als ich die Rolle sah, fiel mir ein wie ich damals von Gaza nach Berlin zurückkam. ich hatte den großen Koffer gegen einen kleinen von Jamal getauscht und bereits als ich vom Bus von Tegel kommend am Alex ausstieg spät Nachts und über das Pflaster rollte ging der fremde Koffer kaputt, eine Rad sprang ab. was wiederum wurde aus Jamals “Koffer mit nur drei Räderen”?
[…]

EINE KLEINE LOST-AND-FOUND-GESCHICHTE AUS GAZA, [the-calculator] die mich auf die Recherche-Idee brachte, Geschichten über Dinge könnten eine Möglichkeit sein, den Alltag des Krieges begreifbar zu machen. jenseits des “Bigger Pictures”, das einem aus der Tagesschau entgegen-schlägt. die Form der Geschichte habe ich nicht für das Recherche-Projekt aufgeschrieben sie stammt aus einem Manusktipt über Gaza. Im Rahmen der Recherche soll die SToffsammlung möglichst im Wortlaut der Erzähler*innen bleiben und dokumentiert werden. “Adaptiert” werden kann das Erzählte aber in Improvisionen, Tests.
Tagebuch,
Berlin, 21. Mai, 2026
Was sahen die Kinder bei Jamals “Zelt-Kino”?

Berlin 20. Mai 2026
Rami hat ein neunes Zelt bekommen, made in Germany. es sei stabiler als das alte. es sieht so gut aus, dass sich wieder ninhct vermitteln läßt, dass das kein Urlaub an der Ostsee ist. R. sagte, er habe auf gehört zu schreiben. er wüsste nicht mehr wozu. produzierte stattdessen AI generierten videoclip der ihn (gänzlich künstlich) mit Ränen in den Augen zeigte und sehr dünn. jetzt weiß ich nicht ob er sich schlanker gemacht hat, oder ihn der Krieg und die “Nachkriegszeit” ausgemergelt hat. er dachte der Clip könne sein Leid besser vermitteln als das was er früher immer schrieb über seine Umgebung, die DInge. fragte ihn was der nächste Gegenstand sei, den er sähe wenn er scih nach links drehte. er schrieb. “The remnants of jeans used by Kajibob were hung up.” ich antwortete, dass ich kein einzoges Wort verstanden hätte.

er hatte seine Jeans “geschlachtet”, um die DInge, die sonst verloren gehen, auf der Strecke bleiben in den Taschen aufzubewahren. wirkt wie ein cooles extravagantes Design. ein Aufbewahrungsort für Dinge, in Ermangelung eines Hauses und Möbel. Seine Sachen, egal wie wenige es sind, egal wie wichtig sie sind, entgleiten so leicht, sind unauffindbar in großen Kisten, verstecken sich in den Ritzen. verschwinden im Sand. ich erinnerte mich an eine Tasche die ich in der Schulzeit hatte, ebenfalls ein Teil einer alten Jeans, zugenäht. mit reißverschluß. es war so “off Trend” und doch hipp. ein Mode-Statement… hier ist es Chaosbewältigung.
Das Bisherigen Format unserer Zusammenarbeit war auf der Bühne immer gemeinsam darauf zu stehen. eine realistische Zwischenphase könnte sein, dass wir Geschichten und BIldausschnitte nach Gaza schicken die Jamal für sich “anprobiert” und wir uns in seinen Bildausschnitt begeben und Objekte aus Gaza untersuchen. –
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Das Bisherigen Format unserer Zusammenarbeit war auf der Bühne immer gemeinsam darauf zu stehen. eine realistische Zwischenphase könnte aber sein, dass wir Geschichten und BIldausschnitte nach Gaza schicken die Jamal für sich “anprobiert” und wir uns in seinen Bildausschnitt begeben und Objekte aus Gaza untersuchen.
GESCHICHTEN SAMMELN
während unserer bisherigen Theaterarbeit haben wir immer Projekttagebuch geführt. oft haben so auch Dinge, die unsere Arbeit prägten den Weg in die Dokumentation gefinden. hier die von HKF und Rosa Luxemburg Stiftung geförderte Dokumentation zu HEMINGWAY. GAZA. BIG FISH.
in unserer aktuellen Recherche wollen wir konkret Menschen in Gaza und in Deutschland motivieren, Geschichten zu twilwn, die von verlorenen, wiedergefundenen, und schmerzlich vermissten Dingen handeln. Kontakt: sachs-film@web.de
Die folgenden zwei geschichten von Miriam Sachs entstanden nicht im Rahmen der aktuellen Recherche, sondern aus einem Buchprojekt über die Arbeit in Gaza,
The “Calculator” und “Die zerbrochene Brille” zeigen jedoch genau, warum Gegenstände wichtig sind und unerläßlich im Prozess des Begreifens und der Annäherung.
in der Geschichte “Die zerbrochene Brille” geht es um die Brille unseres Technikers und Mitspielers in Gaza, Deeb Elqumssan, die sowohl bei der Entstehung unseres Objekttheaterformats eine Rolle spielte, als auch eine Metapher wurde für den Verlust der Durchblickes und die Fähigkeit mit anderen Augen zu sehen im Krieg.
THEMA GELD
wir beantragen beim Berliner Senat ein Fördermittel um unsere Rechere zu konkretisieren: Wie können die fehlenden Dinge, die Objekte die bisher das Zusammenspiel Spiel ermöglilchten, selbst zum Subjekt werden. und welche technischen Möglichkeiten haben wir in Berlin / in Gaza um dies gemeinsam zu tun?
Miriam Sache beantragte die Höchstsumme, nicht nur weil Technikausgaben auf beiden Seiten hier ins Gewicht fallen werden, sondern auch um Jamal Alqumsan in Gaza den Rücken freizuhalten sich auf dieses Rechercheprojekt fokussieren zu können.
die Gelder erreichen Jamal “über Umwege direkt” (moneygram, Ägypten, paypal) gast ohne Gebühren oder Risiken anderswo zu landen.
Wer unsere Kollegen in Gaza ebenfalls unterstützen will via paypal sachs-film@web.de. Mehr info gerne unter: 01637829451




