KLEIST-FILM-BLOG

Im Kleistjahr 2027 befasst sich FILM RISS THEATER mit Kleist Zeitungs-Experiment, den Berliner Abendblättern: eine Laborreihe blättert nach Fundstücken zwischen den Zeilen und Spalten – sowohl auf der BÜHNE, im FILM – und im Vorfeld

www.film-riss-theater.de/aktuell

Dieses Projekt-Tagebuch dokumentiert keine abgeschlossene Produktion, sondern eine Recherche. Wer den Film beim Entstehen begleiten möchte, beginnt oben. Wer sehen möchte, wie es begann, folgt den Monaten bis zum November 2025.

Ein Mittschnitt einer Szene aus dem Drehbuch. es ging mir darum, die verschiedenen Sprach-Modi auszupobieren. Dialog, Voice-Over, seitenbemerkung zum Publikum, “ÜBersetzem”, Kleist vernuschelt usw. Und es ging eigentlich darum Wahlwerbung festzuhalten. aber in ermangelung eines AfD-Plakates in Drehort-Nähe, wurde es virtuell hineingebastelt. ein improvisierterer Feldversuch zu “wie liest Kleist Wahlwerbung folgt,”

Berlin, 27. August, 2026

Heute vorzeitig nötige Aufnahme: Kleist vor Wahlplakat.

[…]

Berlin, 26. August, 2026

Unverhofft neuen Drehort gefunden:

Termin beim Hauptstadtkulturfonds. war früh schon dort, denn der HKF (ebenso wie der Senat Fachbereich Kultur) zog vorübergehend um von Berlin-Mitte nach Wilmersdorf. alle sagen, es sei ein sehr unübersichtliches Gebäude. Tatsächlich: ein Rundbau aus der Nazizeit /der Senat für Bauangelegenheit etc hat dort eigentlich seinen Sitz. hätte ich – trotz des strahlenden Lenoliumfußbodens in sattem Orange – auch so ein bklemmendes Gefühl? verlor mich im Labyrinth. 30er Jahre-Türen die sich aber von Zauberhand oder heutiger Technik von alleine öffnen. Im Kulturbereich sind es noch ausgedrucktre A4-Blätter. Namen entdeckt von “Sparten-Offene-Förderungs-Sachbearbeiterinnnen”, die ich nur vom Telefon kenne. aber niemand war da. die Türen verschlossen (“nieman erschien zum Duell”). Türen und Papiere überall. die perfekte Location für die Realfilm/Trickfilm-Sequenz Kleist im MInisterium. hatte es im Finsanzamt Lichtenberg drehen wollen, ab er hier… könnte Kkleist rotieren wie ein Hamster im Rad. HKF-Kurator erzählte, dass viele Kollegen und Kolleginnen sich vorgenommen hatten, auszuprobieren, wie lange man hier im Kreislaufen kann und herauszufinde , ob man am Ende wieder an der selben Stelle herauskäme. ich glaube man kommt nicht. Aber auch ich gab auf. Es ist glaube ich keine Kleistsche “Reise um die Welt” nach dem Rauswurf aus dem Paradies, bei der man am Hintertürchen des Paradieses wieder nach EInlass sucht. – Er sagte (Der Kurator, nicht Kleist): das bedrückende, aber auch spannende sei, dass man, obwohl die Gänge hell wirkten, nie die nächste Tür sähe, vom Durchgang durch eine neue sieht man das Ende nicht. – Stimmt! ich drehte noch einige Runden nach derm Termin. Aber der Speicher des HAndys war dann voll.

Die entsprechende Vision im Film beginnt mit dem Kopf des gezeichneten Kleist, der sich öffnen. das Hirn ist zerknülltes Zeitungspapier. und die Erinnerungsfetzen rotieren tatsächlich: Zahnräder, Druckerpresse, Dreh-Kurbeln, ausgespuckte Zeitungsausgaben. Zensurstempel… Bilderstürme rennen im Kreis, ziehen aber brav Wartemarken. und Kleist rennt gegegn Türen.

Auf dem Rückweg ich: ebenfalls mit Zeitungen gekämpft: bereits der Copyshop, indem ich verlegen bin, weil die Kopierfrau mir über den Hauptdrucker mein Motiv ausdruckt: Nämlich wahlweise mehrere “Nackte des Tages” (für die BILD-Zeuitung, die Kleist aus einem fremden Briefkasten klaut). muss eine von ihnenin eine aktuelle BILD-Ausgabe hineinbasteln (denn die BILD hat das nackte Girl auf Seite 1, über das Kleist errötet, schon lange abgeschafft. Anachronismus. Türkische Copyshop-Angestellte sagte, ich brauche überhaupt nicht beschämt zu sein. Das sei total harmos. ich hätte ja keine Ahnung, was die Drucker hier sons so ausspucken.

Berlin, 24. August. Die BLO-Ateliers brauchen für März klare Terminvorgaben, das Museum Lichtenberg, das die Ausstellung eröffnet, die dann im BLO weitergeht, will von Terminplanung noch nichts wissen. Und das Kulturamt Lichtenberg (Bezirkskulturfonds) wird erst irgendwann im September den Einreichtermin für die Förderung mitteilen. Fest steht aber, dass der Projektbeginn erst im Mai sein kann. Damit fällt ausgerechnet eines der beiden Lichtenberger Module meiner Reihe außerhalb des Förderzeitraums. Dafür ist die maximale Fördersumme höher als gedacht. Und dennoch fraglich.

Diese Planung ist auch für den eingereichten Filmantrag wichtig. Die Filminstallation nach hinten zu schieben, dürfte kein Problem sein – bzw. wäre keines, wenn die BLO-Ateliers den Kampf um die Verlängerung ihres Mietvertrages (Bahngelände) gewonnen hätten. Denn offiziell ist dort im Mai möglicherweise Schluss. Oder die Installation im Kleistmuseum in Frankfurt vielleicht vorziehen? Aber Frankfurt (Oder) weiß ebenfalls noch nicht, wie viele Mittel für die eigene Planung zur Verfügung stehen werden.

Es ist gerade erstaunlich, wie schwer sich ein Projekt zeitlich überhaupt zusammenhalten lässt. Ich plane dieses Projekt inhaltlich seit 2025, 2026 habe ich mit den Anträgen begonnen. Die eigentliche kreative Vorbereitung aber kann nicht warten, bis irgendwo ein Förderzeitraum beginnt oder ein Bescheid eintrifft. – Die kreative, grundsteinlegende Vorbereitung bleibt damit Eigenrisiko. Und genau davon handelt dieses Tagebuch inzwischen zwangsläufig auch: von der Arbeit, die stattfindet, bevor feststeht, wer sie finanziert.

Ich teile das hier, weil es mir allgemein und kulturpolitisch wichtig erscheint – und weil ich Euch nochmals auf die verschiedenen Spendenmöglichkeiten hinweisen möchte.

Inhaltlicher Support (und höhere Spenden, ab 300 €): wir nennen Euch, wenn Ihr wollt, im Titelvorspann).

Ab 50 €: ihr erhaltet ein Dankeschön (in KLeists Handschrift, auf patiniertem Papier) oder ein kleines Geschenk, z.B. ein Buch, selbst hergestellte Tinte).

PAYPAL: Miriam Sachs, sachs-film@web.de oder: Berliner Sparkasse, IBAN: DE51, 100 500 0000 14320410

Berlin, 23. August. erster freier Tag. Tolle Toni gestriges Casting. Kleist, wurde plötzlich so cool, vielleicht fehlte das Kostüm und der einengende Mantel.Es schien nicht nötig ihm Kragen und Mantel anzuziehen, da er eher Ansprechpartner im Casting war, aber die Haltung ist doch eine andere. jedenfalls im Körper. Dafür entdeckt, dass der Subtext-Monolog, den ich ihm geschrieben hatte alas PLatzhalter dessen, was in ihm vorgeht, wenn eigentlich Tonis Trickfilm-Vision einkickt, sich als wichtiger echter Text erweist. […] Wesentliches über das Verausgaben, wunde Punkte, Wut über ein vom Ministerium zugesagtes Stipendium “[…]versprochen ist versprochen und wird nicht… – nicht mti mir. Förderung- Forderung. Satisfaktion. wenigstens Satisfaktion…. – aber keiner kam zum Duell.” – großartig trocken darauf Toni: “Ach du hattest ne Zeitung…”

Casting war auch Kameratest für die Location Küche.

sehr schön. – Nur dass nun statt eines unerwünschten “Stadtneurotikers” sich Stalin auf der Sonnenschutz-Plane fast unmerklich, dann aber doch unübersehbar ins Bild drängte, als Toni am Fenster stand. Vorhang nächstes mal umschlagen. oder canceln. – “Stalin CAnceln” – ja, weil keiner verstehen würde, dass er auf dem Vorhang ja selbst mit einem Rotstift droht und Leute zu Vorbildern macht und zu Erzfeinden, je nach Gelegenheit, je nach Paranoia. Woody Allen… das Werk? eigentlich komme ich hier selbst genau in das Fahrwasser meines Films: Vor-Zensur 1810 vs. Selbstzensur 2026. Und eine Pauschal-Lösung ist so oder so ein No-Go.

22. August Casting “Toni”. in meiner Wohnung, ZAV (staatliche Agentur) hatte ihr Studio angeboten gehabt. ein Treffen im Cafe zum einfach nur kennenlernen hätte sich angeboten, aber die Original-Drehort-WOhnung, meine, die im November weitgehend leer stehen wird, schien mir wichtiger. es ist aber doch zur zeit eine noch eher enge WOhnung. und voll mit persönlichem Zeug. z.B. das riesige Kleist-Plakat, das Toni definitiv nicht in ihrem Flur hängen hätte. Küche neu eingerichtet. Hätte Toni ein Woody-Allen-PLakat an der Wand? Kamerafrau war erleichtert dass ich fand “Kein STadtneurotiker”, allerdings aus anderen Gründen. dafür musste ein Vorhang an die Küchenfenstertür. weil zu Gegenlichtig. die Wahl viel auf ein halbtrnasparentes Werbebanner einer Ausstellung “Das Minenfeld” (EIdesstattlicher Verleumdungen / der Fall Gustav Regler). Ich weiß, dass das kein Dreh ist. “Nur ein CAsting”, aber die Küche muss anders sein. nicht meine.

20. August. wie erschlagen. Drehorte gesucht und nicht gefunden. in Mitte ganze Straßenzüge von blau von keinen Wahlplakaten. wirkt beangstigend und gelichgeschaltet. aber keine große Flächen. bräuchte auch eigentlich eine, die zu anderer Zeit andere Werbung trägt. Baumarkt, Mediamarkt, Was auch immer. wenn man aughört nach Botschaften zu suchen, fallen wieder die kleinen DInge ins Auge. die Bauplanen-Gaze an der Treptower Eisenbahnbrücke hat Löcher und sieht aus wie eine kaputte Nylonstrumpfhose. an den Tretowers steht – aber in fast unschuldiger Schönschrift “Fuck Allianz” und “Du musst…!” eine große rotgesichtzige Frau in einem roten langen Kleid sitz auf ihrem Rollator und schminkt sich die Lippen. unter den Unterführungen, unter denen immer wieder mal obdachlose auf Matratzen zusammengekrümmt lagen, sind jetzt fast kleine Behausungen entstanden. sie beginnen ins Stadtbild hieninzuwachsen. an der Lichtenberger Lückstraße saß auf einem kleinen Aussichtsturm aus Paletten eine junge Frau und ließ die Beine baumeln. eine kleine Königin auf einem Hochbett. unweit davon will die Spitzenkandidatin der FDP Obdachlosigkeit in den Griff kriegen.Assoziation einer Maßnahme der Stadt Paris zur zeit der Olympiade, die Obdachlose auf Kaffeefahrten einlud und sie dann in Fuhren jenseits der Stadtgrenze aussetzte. (aber Paris ist laut KLeist eh eine dekadente Stadt). Berlin ist… keine Ahnung. “Berlin wird!”

***

kurz vor meinem Kiez, an der Kynastbrücke schließlich ein abgerissenes AfD-Plakat gefunden. fuhr mit dem Motorrad zurück und holte es. es ist lädiert und “überfahren”, aber ist um so perfekter für das zu digitalisierende Motiv. als ich zum Mptorrad zurückging starrte mich ein Mann verständnichlos an. Das Schild mit dem Blau nach unten aufs Gepäck geklemmt. im Rückspigel beim Fahren gesehen, dass im WInd flatterte und das Blau sich wieder nach außen drehte.

19. August. Heute wäre der “Puffertag”. nichts tun nur Schlaf nachholen. zu zerschlagen um zu schlafen und wenn doch, klingelt immer das Telefon. der rest der woche: Weitere Probeaufnahmen vorbereiten, “Tonis Treffen” (Schauspielerinnen für die Rolle der Toni), Kleist vor Wahlplakaten, Spielorte für 2027 anschauen, vor allem das Museum in dem der Film laufen wird, Geld auftreiben. Verträge machen. HKF, UND VOR ALLEM: Drehort in Ordnung bringen: meine Küche in Berlin.

18. August. Aufbruch von Hof in aller früh, fast schlaflos Nacht, wirre Träume, zu lang gesessen in den Filmräumen. Spontane 16mm Vorführung. durfte wählen aus dem Archiv, bisher ungesehener Film “wie Zeitungspapier entsteht?” aus den 30 er Jahren. es schien mir der themenverwandteste. Unfassbar große Maschinen und Papierbögen. stimmer Film mit vielen Schnittstellen (echten, keine zum Thema “Abendböätter”) die Sequenzen waren oft seitenverkehrt zusmmengefügt und die Papierbögen auf ihrem Weg, Zeitung zu werden wechselten deshalb die Richtungen. Stop and go. im Traum war einer der Bögen die Zudecke auf meinem Lager in der fremden Wohnung. Wurde vom Knistern des Papiers im Traum wach. Aufbruch 4 Uhr früh.

[…]

18. August, vormittag Zügige Fahrt bis Berlin. zuletzt Landstraße und über Potsdam, hatte so viel wie möglich von der Stadt im Wahlkampf sehen wollen. dann fast zwei Stunden gebraucht wegen Staus und doch auf der Stadtautobahn gelandet. noch mehr Staus. Baustllen statt Wahlplakaten. es scheint aber ein neues Niveau erreicht an idiotischen Parolen. “Schluß mit der Pollerisierung”, “wiedetr Berlin”, “Berlin wird”, “Ich schwöre” (ich schwöre… was??? – Berlin wird…was?). – Die CDU toppt alles: “Stefan Evers: “Der Endgegner des Schlendrian” und “Goethes Faust statt Linker Haken”. Überall schägt einem oroginelles Getexte der Marketing-Abteilungen entgegen. Wie läse Kleist Wahlwerbung? Im Drehbuch ist das eine Schlüsselszene. Toni und Kleist reden im Gehen durch die Stadt über Wahrheit, sie mißverstehen sich eh schon dauernd, weil der Straßenverkehr laut ist, das Thema komplex: die Wahrheit läge im Auge des Betrachters und außerdem bedarf es…. “Richtig genau das…!” sagt Kleist: “…Mut! Mut zur Wahrheit” keine EIngebung, sondern Kleist steht vor einem Wahlplakat der AfD (der erste Slogan, den sich die AfD damals auf die Fahnen schrieb). Wahrheit! dann sei es efal was genau man schriebe. Fiktion, Fakten, hauptsache sie seien wahr. Toni kontert: Mann, das ist Wahlwerbung! Garantiert nicht das, was später damit gemeint sein wird!” – und fragt sich , ob Kleist überhaupt weiß was Demokratie ist. Offensichtlich nicht, denn er fragt sich warum man den satz dann aufhängt.

Für den Film suche ich ein großflächiges Afd-Plakat. “blau mit roter Schrift”, steht im Skript. seltsamerweise hat die AfD die Farben gewechselt. das Häkchen ist noch rot. die Schrift ist jetzt weiß… wenn da Schrift ist. Die Parolen sind meist abgerissen. gut. Botschaft weg. das Blaue vom Himmel herunter… ich muss es später eh digitalisieren.

Hof, 17. August. Motorradfahrt München-Berlin am ersten Tag seit langem, an dem es regnet. Halt gemacht in Hof bei neuen Freunden, die seit langem Filmreihen veranstalten (in Kinos und open air). Blieb über Nacht, weil die Gespräche über Film und Orte, die verschwinden zu spannend waren. auch über den Kleistfilm sprachen wir. Interessantes mißverständnis. als ich erzählte, dass Kleist soszuagen die Stadt liest indem er an jeder art von Papier hängenbleibt (im AltpapierContainer an Rechnungen, Werbeflyern, Krankenkassenbriefen, im Stadtbild an Wahlkampf-Slogans der AfD und von der Parole “Mut zur Wahrheit” sofort einhgenommen ist, sie stark findet, weil er aus einer Zeit kommt, in der Veröffentlichung und Meinungs- und Pressefreiheit noch nicht selbstverständlich waren. A. niclte immer und schättelte den Kopf: das sei ein sehr komplexes Thema. ich deutete es als Zuspruch, er meinte aber es sei ein “zu komplexes Thema”. ich glaube, er dachte, ich benutze Kleists Preußen um 1810 als Abziehbild: keine Pressefreiheit = böse. Erst als ich die Szene im Drehbuch wörtlich nacherzählte verstand er dass der Film keine Lösung parat hat, nur die Kollision des Mißverständnisses, das zumindest begreifbar macht, wo die Stromschnellen liegen. wie man sie umschiffen wird: keine Ahnung. Nach dem Essen langer Spaziergang. gerlent dss ein Labyrinth nicht das selbe ist wie ein Irrgarten […] und ein das schönste Kino in Hof selbst einer dieser “lost places. musste an das Kino Nasser in Gaza denken (vor dem Krieg). ort der d war und um so klarer die Botschaft einem um die Ohren schlug: Hier wäre der Zauber möglich, aber darf nicht stattfinden.

kein Spielmort mehr.

Gransbrunn, 16. August.

Wenn man aber “Dinge” eingibt in die Suchmaschine, statt “Ding” kommen viele der berühmten Kleist-Sätze. z.B. der mit den “Günen Gläsern”, der Kleists sogannte Kant-Krise zusammenfasst: (dass man nicht wissen kann ob die DInge, die einem grün erscheinen, auch wirlich grün sind. weil man nicht sicher sein kann dass nicht das Auge selbst dem Sehen ein grünes Glas hinzufügt, dass sie grün wirken läßt (sinngemäß). Das “DIng an sich” wird also nie ganz fassbar, Wahrheit, oder Wahrgenommenes verschimmt. Auf Reisen findet Kleist aber zu den DIngen zurück. vielleicht gerade weil ihre Lesbarkeit fragwürdig geworden ist. “denn an jeden Gegenstand, sei er auch noch so scheinbar geringfügig, lassen sich interessante Gedanken anknüpfen…” – und das sei das Talent der Dichter, die “eben so wenig wie wir in Arkadien leben, aber das Arkadische oder überhaupt Interessante auch an dem Gemeinsten, das uns umgiebt heraus finden können”. DIE DINGE SIND NICHT WICHTIG IM SINNE VON HAB UND GUT, SIE SIND SOZUSAGEN PORTSCHLÜSSEL, um in Gedankenwelten zu führen. sie sind konkret, sie sind da oder fehlen, sie fallen uns Auge und sie verändern die Richtung: und genau deshalb siind sie in meinem Film so wichtig. Nicht Requisiten, sondern “Gegenstände auf der Fahrbahn” auf die man achten muss, die man umgehen muss, sich auseinandersetzen, aufhalten, weiterbringen.

(BAyern 3 gehört. Verkehrsmeldungen.)

meine Sachen gepackt für die Reise nach Berlin. Dinge wandern in Taschen. der Tankrucksack fehlt, die Kamera nicht gefunden (die kleine, eigene). Sie muss hier sein, ich hatte sie ja hier beim einlesen der SD-Karte. Manchmal sind die Dinge aucuh doch nur die DInge, hier in diesem Haus sind definitiv zu viele und ich sehe den Wald vor Bäumen nicht. Morgen aufbruch nach Berlin

15. August “„Die Zuschauer erstarren, wenn der Zug vorbeifährt“ beginnt das Tagebuch… –nicht Kleists, sondern das von Franz Kafka. Es kam mir in den Sinn, weil ich eigentlich gut finde, dass Kleist den Schrecken über den einfahrenden Zug (vgl Video zum 16. Juli) eher zu verbergen versucht und die Fassung bewahrt. Florians Kleist zeigt eher den Kleist, der fasziniert ist von Technik, Mechanik, den der mal ein U-Boot hatte erfinden hatte wollen. zeigte die U-Bahn-Sequenz Dirk M. vom Museum Lichtenberg (Kooperationspartner). Sie gefiel ihm glaube ich, denn er wünschte sich prompt Kleist in Lichtenberg – aber da wohnt er ja eh , Kleist. also laut Drehbuch). er beanstandete aber nicht zu unrecht: dass der Schrecken über das donnernde Ungetüm größe hätte sein können. dachte an die Beschreibungen der Menschen die bei der Vorführung der ersten Filmaufnahmen Lumieres, dem EInfahren eines Zuges in einen Bahnhof, aufschrien und ich unter den Sitzen versteckten (Kafka beschreibt im Tagebuch ihr Erstarren). Angeblich soll die Panik des Publikums zwar eher Anekdote gewesen sein, aber wer weiß das schon. Und Film hin oder her: der Archivsleiter des Musuems zitierte Berichte von Menschen, die erstmals eine echte U-Bahn sahen. – ich glaube dennoch, das wäret zu viel. es reicht, den Schrecken in den Augen zu sehen, in der Starre, im Ringen um FAssung, Auf der Bühne wäre es vielleicht anders. Im Film muss es ein fast “unsichbares Ding bleiben”

12. August Am Drehbuch geschrieben. es schien fertog, aber der Feldversuch der probeaufnahmen hat DInge verändert. Flroians real-existierender Kleist hat sich hineingeschrieben ins Skript. die orte, springen zwischen die Zeilen und verlangen Real-Präsenz. schon bevor ich den schönen U-Bahnhof HAusvogteiplatz entdeckte, hatte ich eine Szene Kleist fährt U-Bahn in Erwägung gezogen. sie schien mir aber zu reißerisch. als bediene man sich des effektivsten und buntesten Mittels der Fortbewegung. ich strich es in der der ersten Fassung schnell wieder raus. als ich aber über die U-Bahnstation mit den 1800-Motiven an den WÄnden stolperte (im Zuge der effektiven Locationsuche von Kleist-Orten in Berlin-Mitte) hat sich das geändert. Florians Auseinandersetzung mit Stille und Lärm “im Untergrund” ist mehr als nur Spiel mit Kulisse im HIntergrund. der Ort verändert etwas. der Ort zeigt “Zuhause” und nimmt es im nächsten moment, wenn ihm der einfahrende Zug fast den Arm wegweißt. Kleist wird nicht U-Bahn fahren. Nein er fährt nicht zum U-Bahnhof kleistpark, wo auch die Widerspruchsstelle für Schwarzfahrer ist. er besteigt den Zug nicht. es entdeckt: alles ist noch da. Das Berlin von damals hängt an den Wänden des DDR-gekachelten Bahnhofs. er leuchtet sogar auf, wenn der Zug der gegegnseite einfährt und sich blinkend und animierend auf der Oberfläche des Bildes spiegelt. es wird aber auch alle 5 Minuten weggerissen von der Wirklichkeit. es ist nicht greifbar. nur ein mal sichtbares, unsichtbares DIng.

***

in www.kleist-digital.de gegoogelt. wie ofr Kleist das Wprt “DIng verwendet” in Briefen in Werken. ich weiß nicht ob es oft ist, aber er verwendet es fast nur als Beschreibung für sehr ungreifbare DInge. “Das rätselhafte DIng”: Interesse, Leben, farbenwechselnd, seltsam. “Was ist das für ein MAchruhm” DAs gefählriche DIng Ehrgeiz oder gar das “Lustige DIng”: Krieg. einzigen greifbareren “DInge” die ich fand war “das kleine DIng, das Gustchen geboren hat” und ein im Kohlhaas erwähntes “DIng” namens Passierschein.

[…]

10. August. Lotto spielen wärt eine Option!

“All-In-Backup-Plan auf später verschoben. bessere idee:Lotto spielen ist zwar Option, naheliegender: die Lotto-Stiftung. Insgesamt kann ich noch viele Parallelanträge stellen. zwei sind im rennen, sechs kommen noch – die Ergebnisse,allerdings allesamt spät. der wichtigste für den Film ist der beim Medienboard Berlin Brandenburg. Er war umfangreicher als viele andere, aber auch der durchlässigste, denn man kann nachjustieren, Förderbescheide nachweichen. Er wächst mit dem Projekt mit. das ist ungewöhnlich.

09. August. Nach einer Zeit bürokratischer Flügelkämpfe (ein Antrag wurde wegen eines Formfehlers abgelehnt und den erste Impuls gegen Wände zu rennen (sehr Kleistisch) bin ich dabei… wegzuatmen. Weitere Gelder anderswo beantragt. Alles zusammenkratzen.Erschreckend, wieviel Aufwand die Bürpkratie in den Senatsanträgen geworden ist, wie viel Grundlegendes eingefordert wird (Personalausweise aller Beteiligten mit Fotos (nicht die Rückseite vergessen!!!) wie viel Verbindlichkeiten nachgewiesen werden müssen (wannfing das an?), Verbindlichkeiten, die manchmal besser Leerstelle bleiben sollten, jetzt noch. meine Projekte haben sich beim Antrags-Schreiben immer konkretisiert, ich liebte es: eine Inszeneirung in Gedanken entstehen zu lassen, ein paar Details schon heimlich festzuklopfen, nie wollte ich zu deisem Zeitpunkt schon Kollegen festnageln und Sperrzeiten notieren. ich brauche Freiraum für diese Prozesse. und nur ein minimum vollendeter Tatsachen. Gerade weil ich dazu neige, alles vorauszuplanen. Die vollendete Tatsache ist jetzt eine Ablehnung eines Antrags (Spartenoffene Förderung des Senats) auf den ich mich lange vorbereitet hatte. im Alleingang. wäre diese Zeit nicht besser genutzt damit sich an die nächste Supermarktkasse zu setzen und schlecht bezahlt zu werden? oder im Lotto zu spielen (nachdem die Kultur-Budgets immer mehr gestrichen werden. die Vorbereitungsphasen sind für micih eigentlich der erste Anflug von Kreativität. Wenn etwas das noch nicht in Stein gemeißelt ist und man es wachsen sehen kann- – –

Im Falle dieses Films: waren es und sind es die Streifzüge durch die Stadt. mit Kamera, mit Kleist. und mit etwas Geld. letzteres fehlt.

Kameratest in der Klosterruine und Skizze “Bilderstürmer”

August, Traum.

war im Kleist Museum, in dem ich vor Jahren mal ein Weinglas mitgehen hatte lassen (in echt). wollte es zurückgeben, unter anderem weil ich Angst hatte, dass die (in echt) geplante Ausstellung / Vprführung meines Kleist-Films möglicherweise nicht stattfinden würde, wenn ich es nicht rechtzeitig zurückbrechte. Fand aber keinen ZUständigen Menschen und stellte das Glas an ein Fenster. die Sonne brach sich darin. es sah schön aus. – der rest des Traums… natürlich vergessen. unfinnished business?

Ich bin nicht in Sorge, die geplante Sache könne nicht stattfinden, aber ich weiß noch so wenig. Und das ist gut so. ENtdecken statt ausdenken. anders als später in der Reihe, öffnet sich der Film an mehren Stellen: wird durchlässig und man kann in ihm stehen. sich neben Kleist setzen auf eine Bank und hören wie er sich durch die heutige Zeit liest. aus Fundstücken aus dem Altpapier, Werbung, einem Pizzakarton.

ich sehe den Film wie er ist schon so genau vor mir. aber der Raum in dem er laufen wird…?

Auch der Traum war da keine Hilfe. Nun brüte ich über dem Grundriss. Wo ist vorne??? ich müsst mal wieder hinfahren…

Grasbrunn, Ende Juli

Die M. findet, der Film wird toll.

“Woher weißt du das?”

“Das seh ich.”

“Der Film ist aber nicht der Film den du siehst, der Film, den du gesehen hast, ist das Mikroskop mit dem ich den Film entdecke, den, der den ich mir ausgedacht habe, später sein wird.”

Erst hat sie “Aha?” gesagt, dann, das sei okay, so lange der, der den Mikroskopie-Kleist spiele auch in dem anderen Film Kleist ist..

16. Juli

…die U Bahn:

14. Juli.

Filmantrag beim Medienboard Berlin-Brandenburg ge-updatetd. und Antrag beim Senat morgen fast fertig. Sprach abends am Gartentürchen mit der M. darüber, meiner Nachbarin wenn ich in Grasbrunn bin. sie sagte, ich rede jetzt immer viel von Anträgen, neurdings immer vom Senat. Sie blicke nicht mehr durch, welcher Antrag welcher ist, aber immer wenn ich von dem für den Senat, spräche, stellt sie sich den Senat des Star-Wars-Imperiums vor. Hört auch die entsprechende Musik.

ansonsten Schnitt, Schnitt, Schnitt. Trailer neu geschnitten, mit mehr Kleist Voice-Over. Und das Material aus der U-Bahn. Und definitiv SCHNITT.

13. Juli.

übrigens habe ich nichts gegen “Dahoam is Dahoam”; eine gewisse Erdung durch eine Toni, die sich mit Heimat-Haftung auskennt wäre super gewesen für den “obdachlosesten Dichter seiner Zeit”! – (ist natürlich quatsch! – “Heimat-Suchend” triftt es besser). Die Absage der R. .. das passt genauso gut / dermaßen gut zur Figur der Toni. wie die Faust aufs Auge. – Aber wer will schone Faust auf dem Auge. … Der Kleist-Darsteller hatte sofort mehrere Kolleginnen im Sinn, die die Rolle auch spielen könnten. Wollte dennoch nichts davon wissen. jetzt nicht. Später. Bald.

12. Juli.

Zurück mit viel Ton. und schwirrendem Kopf. die Hitze jenseits des Kino-Cafes. die Tonafnahmen in einem Container vor der Rock-Fabrik, ein voll ausgestatter Proberaum für Musiker. hatte ihn im bei Kleinanzeigen entdeckt. draußen sengende Hitze, selbst der Flohmarkt 20 Meter entfernt wäre, um kurz zu schauen ist zu weit weg um hinzugehen. der Metall-Container sah aus, als würde er Glühen in der Sonne. Innen aber kühl. der Lärm der Straße wie weggeblendet. “Siehe die Welt kommt mir vor wie eingeschachtelt. Das Kleine ist dem Großen ähnlich…” wenn F. den Brief Kleists an Rühle liest, klingt er total anders als ich ihn im inneren Ohr habe. Und das ist gut. ich habe Den Brief immer als hochpoetisch und schön empfunden. weil ich mich immer auf meine Lieblingsstelle konzentriert hatte. gestern erstmals seit langem den ganzen Brief durchgegangen. So viele Verletzungen! so viele unerfüllte Wünsche. Wir arbeiteten lange an dem Text. er hat für mein Konzept “Kleist in der heutigen Welt” nicht nur die offensichtlich sinnigen Stellen wie:

…Und dieſes ganze ungeheure Firmament nur ein Stäubchen gegen die Unendlichkeit! O Rühle, ſage mir, iſt dies ein Traum? Zwiſchen je zwei Lindenblättern, wenn wir Abends 40 auf dem Rücken liegen, eine Ausſicht, an Ahndungen reicher, als Gedanken faſſen, und Worte ſagen können. Komm, laß uns etwas Gutes thun, und dabei ſterben! Einen der Millionen Tode die wir ſchon geſtorben ſind, und noch ſterben werden. Es iſt, als ob wir aus einem Zimmer in das andere gehen. Sieh, die Welt kommt mir vor, wie eingeschachtelt. das kleine iſt dem großen ähnlich. So wie der Schlaf, in dem wir uns erholen, etwa ein Viertel oder Drittel der Zeit dauert, da wir uns, im Wachen, ermüden, ſo wird, denke ich, der Tod, und aus einem ähnlichen Grunde, ein Viertel oder Drittel des Lebens dauern. Und grade ſo lange braucht ein menſchlicher Körper, zu verweſen. Und vielleicht giebt es für eine ganze Gruppe von Leben noch einen eignen Tod, wie hier für eine Gruppe von Durchwachungen (Tagen) einen. — Nun wieder zurück zum Leben!

Kleist an Rühle, KÖnigsberg, August 1806 [der ganze Brief: HIER]
  • – – abgesehen von den Gedanken an Wiedergeburt klärt der Rest des Briefes auch vielleicht das “Warum?” die Enttäuschung über den Freund der weg ist, die gemeinsamen Vorhaben, die nicht mehr zählen. Das msus ihm nah gegangen sein. So ciel Abgebrochens… die Militärkarriere, Studium, die Verlobung, (angeblich) ins Feuer geworfene Manuskripte, in königsberg das versandete U-Boot-Projekt, die Beamtenkarriere… das Leben.
  • – und Toni? diese spezielle version meiner Toni bleibt bei “Dahoam is Dahoam” untergetaucht. unerreichbar. Da hilft kein Smiley. –

Grasbrunn / Augusburg, 11. Juli,

Heute wären die Probeaufnahmen mit beiden Darstllern gewesen. sie hätten eine Szene aus dem ersten Teil des Drehbuchs “ausprobiert”. Blödes Wort. – anprobiert. wäre gut gewesen als Begleitmaterial für die weitere Förder-Antagstellung. und ebenso für mich. während der zweite Teil, der Draussenteil, eher Feldversuch ist und Kleist bei der “Re-Lektüre” der Stadt zeigt, kommt er in dern ersten Szenen an. Drinnen. in der Küche der Literaturwissenschafts-Studentin Toni Leithuber. da ist die moderne Welt noch nicht so übermächtig, noch nicht so laute Baustelle. Kleist entdeckt eine Ausgabe der Bildzeitung, wie ein Milchschäumer funktioniert und den Reichtum des Altpapiercontainers im Berlin-Lichtenberger-Innenhof. ich hätte gerne gesehen wie die beiden im Gespräch funktionieren. denn Kleist spricht vor der Kamera nicht so viel wie er eigentlich spricht. oft nuschelt er nur etwas in sich hinein und Toni, die sich im echten Gespräch abmüht, etwas zu verstehen gibt hgleichzeitig im inneren Voice-Over, das weiter, WAS sie verstanden hat, in der indirekten Rede. auf dem Papier finde ich es großartig. indirekte Rede und Hören-Sagen! wird Kleist viel gerechter, als wenn man ihm dauernd Worte in den Mund legt. ich stelle es mir vor wie eine Screwball-Komödie, auf drei verschiedenen Ebenen: im rasanten Reden und Stocken in echt – plus geheimen Gedanken und Mißverständlichem vpn dem man nie genuau weiß ob ein Kleist nicht auch dieses Narrativ lesen kann. Der rest ist Schweigen und Bildsprache, denn was immer Toni nicht versteht, begreift sie auf einer anderen Ebene: in Assoziatiionen. die durchwirken den Realfilm wie ein heimlicher Comic-Strip… – Jetzt nach Augsburg. dort spielt “Kleist” zur Zeit Sommertheater. statt Küche und Bildzeitung Updates, Rollenarbeit und Tonaufnahmen. bin zu früh. schönes Cafe an einem kleinen Bach UND einem kleinen Kino. Im Schaukasten ist “Odyssee” angekündigt.

München / Grasbrunn, 10. Juli, Das Sichten des Materials gesehen wie viel mehr da ist, als ich im Augenblick der Aufnahme gesehen habe. Fokussieren ist zuweilen nämlich auch Scheiße. wenn man sich auf “Vermeintlich Wichtiges” fokussiert und das was im Augenblick entsteht, für selbstverständlich gegeben hinnimmt. heut viel geschnitten, neues bauen. eine Tonifigur fehlt an allen ecken und enden. einstweilen habe ihh mich reingeschnitten als Platzhalterin. keine Toni, eher eine Journalistin die unverhofft einen 200 Jahre toten Dichter vors Objektiv bekommen hat und aus dem Off Fragen stellt. passt ja.

München / Grasbrunn, Anfang Juli

Warum ist es so schwer sich zu fokussieren…?

…die Anträge, die Lust das Material Bild für Bild zu sichten, zu begreifen, zu verknüpfen mit allen Assoziationen, die alle Baustellen aufblitzen lassen – die Notwenigkeiten und die “Imponderabilien” (es könnte sich zu einem neuen Lieblingswort entwickeln): die Unabwägbarkeiten, das was aus heiterem Himmel kommt, alles was dauernd anders ist, Friktion. Fuck. Firmanente… “Myriaden von Fäden” Kurz vor dem ersten Kleist-Und-Toni Probeaufnahmen sagt die R. ab. habe es nicht mal gleich gemerkt, denn sie tat es per whatsapp. dafür aber mit Smiley und einer lachenden Sonne hinter dem Text.

der heitere Himmel… vielleicht zu heiter? das letzte Mal sahen wir uns, als die R. nach Augsburg mitwollte… und hinterher euphorisch ihre eigene Küche zum Drehen anbot. Was ist passiert in der Zwischenzeit? seltsame Ruhe. Hans Moser singt in meinem Kopf “Wenn der Herrgot net will…” Auch das noch!

Bginn des Blogs: NOVEMBER BIS GANZ UNTEN SCROLLEN

08. Juli, 2026

04 Juli, 2026, Berlin

Erschöpft und glücklich. Die erste Probe / Probeaufnahmen. Gestern Nacht schon Material gesichtet. Nun bereue ich doch, nicht die groß Kamera zur Hand gehabt zu haben, denn es ist etwas entstanden, das ich in der Improvisation großartig finde. – andererseits: wären wir so flexibel gewesen mit der größeren Profikamera? die Leichtigkeit, mit der B. hinter Kleist herstieg. ständig rennt er durch die Stadt. hatte ihn mir kamerascheuer vorgestellt, entdecke stattdessen, einen Kleist, der tapfer voranprescht. Jetzt da er nun mal hier ist. Schmaler Grat zwischen Überforderung und Mithalten wollen, Neugierde, Verletzlichkeit. bloß liegenden Nerven, ohne dass er es zeigen will. Dies ist nur eine Probe. kein neues Projekt draus machen! aber wie schön wieder in der Dokufiktion zu landen. Ohne sie wären auch Kleists Abendblätter nicht das aberwitzige Experiment gewesen, das sie waren. Fühle mich erlöst aus der Konzeptionsphase. Es beginnt die Entdeckungsreise. Als Kleist durch die Jägerstraße lief und (ich hatte ihm keine Orte vorher erklärt oder vorgegeben) das übernächst-beste Haus als “sein Haus” behauptete (Sitz der Mendelssohn-gesellschaft und irischen Botschaft), die Tür verschlossen war, sich aber dann doch auftat, wars wie Adventskalender heimlich öffnen. die Stadt ist voller Türen. jetz gehen wir und öffnen sie. – – –

und der Ton ist nicht toll, aber dafür dass Sturmmeldungen drohten, hatten wir Glück.

03. Juli, 2026, Berlin

erste Probeaufnahmen.

die Stadt in der Früh. das Cafe zwischen Hausvogteiplatz und Gendarmenmarkt. dachte erst, es sei selbst ein Abendblätter-Ort, aber es lag an der Ecke, nicht “Im Knick”, wie es in “Kleists Berliner Aufenthalte” stand. damals hatte die Jägerstraße einen Knick. jetzt – kaut Google-Maps ist der Knick weg. nach den kriegen begradigt? kleines Team. und Entscheidung für kleine Kamera. nicht die Profi-Kamera. dies ist kein Dreh. dies ist eine Probe mit Kamera. . noch ist Kleist nicht da. auch die Kamera läßt auf sich warten. Kakao für Sophia. ein Tee für mich. da… kommt er!

01. Juli, 2026

Dass sich die ersten Probeaufnahmen vom vierten auf den dritten, also Morgen! verschoben haben ist ungüntsig. Auch weil ich einige Tage ausgenockt im Westend-Klinikum lieg. alles was ich geschafft habe: Anträge zu spät oder zu früh abgegeben und diesen Ebaymantelgekauft: Kein stilechter Kleistmantel! wie die Profi-Mäntel, eher ein etwas aus hellbraunem Leder, das iaus jeder zeit stammen könnte, etwas, das Kleist nicht gänzlich “im falschen Film” erscheinen lassen wird”. ein zeitloser Kleist. – Habe aber festgestellt (auch in den Zeichnungen): wie Kleist sieht Kleist vor allem immer dann aus, wenn sein Kopf aus einem weißes Spitzen-Krägelchen schaut. – – – Natürlich gehts hier gar nicht um äußerliche Ähnlichkeit. Trotzdem. wird der Mantel zu fixen idee. komme heute aus dem Krankenhaus. und heute kommt auch, laut Hermes’ Sendeverfolgung, der Mantel. alle Mäntel.

***

die Hitze der Stadt… ich hatte mich an den Ventilator gewöhnt, er drehte sich und es hatte etwas beruhigendes. zu gleichförmig, um WInd zu sein, aber einschläfernd. ich bin Zuhause! und der Mantel ist auch da. er ist nicht braun, sehr häßlich und dunkelgrün. er riecht nach Kettenrauchen und Steckerlfisch. Egal. Kleist hat auch geraucht. alles wird gut.

30. Juni 2026 VORZEITIGER DREHBEGINN,

damit das Haus nicht plötzlich doch eine eierlschalenfarbene langweilige Fassade hat. drehen wir schon vor dem offiziellen Drehbeginn im November. Die Zeitsprünge sind erwünscht. Baustellen-Sommerzeit – November vollendete Tatsachen. Flashback, FLashforward. der ganze Kleist ist jenseits von Zeit und Raum. “Die Zeit ist – oder ich – verrückt”- – – Mantel bei Ebay gefunden, ob er rechtzeitig ankommt ist fraglichlich geworden. S. geht heute deshalb ins Kostümkollektiv im Bethanien, und zu Theaterkunst wegen Leihgabe anderer Mäntel. Kann nicht selber hin. Sophia, die bei Drehorten und Kostüm und überhaupt hilft, schickte Fotos aus dem Fundus. Es wirkt sehr nach Kostümfilm aus. und tatsächlich stand “Sam Riley” am Innenkragen auf einem Märkchen. Mantel wirkt riesig, aber auch weil S. ihn anhat und sehr zierlich ist. Der Schauspieler ist mittelgroß. Wie groß ist Sam Rilley? Der andere Mantel, der vom Kostümkollektiv könntr in der Schulterbreite zu eng sein. und wieso gibt es kine Braunen Mäntel. dachte mir KLeist immer in einem dunkelbraunen etwas abgewetzten Mantel. hoffe heimlich auf den Ebaykauf. und dass Hermes das Pakert hinterlegt, wenn ich zu spät dort ankomme.

22. JUNI 2026, Berlin-Mitte

BAUSTELLE – Das Haus gegenüber der Kirche ist wohl noch länger Baustelle, aber ob das Gerüst bleibt bis zu den eigentlichen Drehtagen im November? Dachte erst, das bedeute KEIN ZUGANG, habe mich aber nun in die Baustelle verliebt. Heute waren, laut der Kamerafrau Bernadette überall Bauarbeiter auf dem Gerüst auch gestern, als S. da war um rauszukriegen wie lange die Arbeiten dort noch dauern. Kaum jemand beachtete sie. immer mehr gefällt mir der Gedanke dass Kleist den Ort seines ersten großen Erfolgs als Baustelle wiedersieht. ein Gang um die Welt, einmal rund um die Uhr, bis in die heutige Zeit und man steht vor Bauzäunen. Durch das Hintertürchen geschlüpft. – – – naja die Metapher ist schief: es gibt gar keine Tür. nur Bauplane….

warum mir das Gerüst und die Arbeiter außerdem gefallen:

“am Eingang durch Planken versperrt, und konnten, wenn sie sich mühsam erhoben, durch die
Öffnungen der Bretter hindurch von dem Inneren nichts, als die prächtig funkelnde Rose im Hintergrund der Kirche wahrnehmen. Viele hundert Arbeiter, welche fröhliche Lieder sangen, waren auf schlanken, vielfach verschlungenen Gerüsten beschäftigt, die Thürme noch um eingutes Drittheil zu erhöhen, und die Dächer und Zinnen derselben, welche bis jetzt nur mit Schiefer bedeckt gewesen waren, mit starkem, hellen, im Strahl der Sonne glänzigen Kupfer zu belegen. Dabei stand ein Gewitter, dunkelschwarz, mit vergoldeten Rändern, im Hintergrunde des Baus […]”

Kleist, “Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik”,

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3. JUNI, Berlin-Mitte

Bildersturm auf KLoster 2011, “Dokufiktionales Bekenner-Video” aus der Adaption der “Cäcilie” im Kleistjahr 2011, gefördert von KSB,Senat und Rudolf Augstein Stiftung.

ALTE ORTE – Der HImmel liegt gar nicht in Scherben! – Das seit April fertige Drehbuich… und sofort ändert es sich, wenn man die Orte, die man im Kopf hat erstmals wieder betritt. Klosterstraße, die alte Ruine des Frannziskaner KLosters. Hatte den Ort im Kopf gehabt für die Schlüssels-zene, als Ort, an dem ein langes Gespräch zwischen Kleist und der Studentin, in deren Wohnung in Berlin 2027 es Kleist verschlagen hat zum Höhepunkt kommt. Ein Ort, der zu Kleists Zeiten schon nicht mehr KLoster war, sondern säkularisiert; Schule, Forschungsstätte war, etwas heruntergekommen vielleicht, aber nicht “runiniert”. ein Raum der jetzt Innen und Außen zugelich ist. ich erinnerte mich an SPiegelglas-Fußboden Scherben, in denen man den HImmel zu Füßen hatte. und vor allem einen Ort, den ich mit Kleists Erzählung “die heilige Cäcilie” verbinde, in der ein Kloster zerstört werden soll, aber (vom HImmel? durch die Gewalt der Musik?”) gerettet wird, die seltsame Fake-Legende, die mich immer wieder aufs Neue beschäftigt. dass Kleist sie in den Abendblättern “erscheinen” ließ kurz nachdem die Reformpolitik, gegen die er sich die Finger wundschrieb, alle preußischen Klöster enteignet hatte, hat mich die Bildersturm-Erzählung in völlig neuem Licht erscheinen lassen. DAs musste damals ein sehr klares Statement gewesen sein – so rätselhaft und vielschichtig der Text trotzdem bleibt. KÖnnte mir keinen bessreen Ort wünsche an dem sich Geschichte überlagert. Nur: vom Spiegel-Scherben Fußboden keine Spur mehr! der HImmel, den man wie in den Splittern eines Kaleidoskops wahrnehmen kann, während man (also z.B. Kleist im Skript) finster nach unten starrt, ist jetzt nur zu sehen, wenn man nach oben schaut.

Wo ist meine Metapher gebleiben?! die Wirklichkeit, die man nur wahr-nehmen kann, indem man sie sich zusammen-schüttelt in einem sehr eigenwilligen Layout. dem eines Kaleidoskops. Weg mit dem Storyboard?! Vielleicht gut so. nicht auf Alt-Bewährtes zurückgreifen wollen, nur weil es schon mal “Sinn machte.” stattdessen aber über ganz anderes gestolpert:

Justus v. Gruner erster Polizeipräsident von Berlin.

unweit von der Ruine: ein ganze Block eines wilhelminischen Gemäuers. Ungefähr da wo (zugegeben: “Irgendwo”) 1810 noch der mittlalterliche Stadtkern war und das damalige Polizeihauptquartier. Ein Polizist kam auch prompt und rief, da könne ich nicht parken. behauptete das Gebäude gehöre zum Innenministerium. Dann nettes Gespräch über Polizei 1810. er meinte das Polizeipräsidium sei in der “Grunerstraße” am Alex gewesen. “die rote Burg”. das war aber später. Polizist schien interessiert an Informationen zu Berlins erstem Polizeipräsidenten. Der wiederum gab Kleist damals Informationen für seine Zeitung. Die Polizeimeldungen waren die eigentliche Sensation des Blattes. –

“Und darüber machste’n Fülm?”, sagte der (heutige) Schutzmann. hoffte, die Polizei käme dabei nicht schlecht weg.

Das hatte sich Gruner damals auch erhofft.

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Nachts geträumt von Kasperletheaterartigen Verfolgungsjagden. (man läuft dann meistens auf der Stelle und die Kulissen hinter einem rennen in die entgegengesetzte Richtung. Vielleicht weil Nachtlekütre war ein AUfsatz von Alexander Weigel übrt Kleists Abendbläter: “Von Puppen und Polizisten”.

01. Juni, 2026, Berlin-Mitte

Das Haus gesucht in dem Kleists Zeitung verlegt wurde, vielleicht auch gedruckt? Julius Hitzig’s Verlagsbuch-handlung könnte über der Tür stehen.(also damals gestanden haben) – Aber über welcher? die Straße hieß damals “Gasse hinter der katholischen Kirche”, das Impressum der Abendblätter nennt keine Hausnummer. KAm nicht direkt in die Gasse, nur von der Kirche selbst aus. EIn Bauzaun aus Holz. dann läuft man auf das Haus zu aber ein weiterer Bauzaun versperrt den ZUgang zum Haus. Das Portal erzählt HIstorie. nicht Kleistzeit, aber Gründerzeit. das Haus selbst ist in DDR-Braun verputzt. Mag ich den Bauzaun? Mag ich das Gerüst? Bedeutet es, dass hier alles weiß und glatt wird? Und seit wann ist Berlin wieder so sehr Baustelle?

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IM HAUSE HINTER DER KATHOLISCHEN KIRCHE 3, ZWEI TREPPEN HOCH“, stand in der Anzeige zu den Abendblättern. (also doch eine Hausnummer sagt Horst Häker in “Kleists Beriner Aufenthalte”, aber ob das Haus Druckerei oder Verlag war weiß ich immer noch nicht. so osder so ist es jetzt einfach “DAS HAUS” geworden. da wurde die Zeitung verkauft. in der ersten Woche nach dem erscheinen 1810. Der Andrang war so groß, dass die Leute Schlange standen bis in den Hof, die Polizei musste für Ordnung sorgen. später wurde die Zeitung in der Jägerstraße verkauft. – – – die verlassene Baustelle in der Dämmerung, die Lichter im Haus, obwohl alles leer steht. Die Neonlampe mit der Netzfolie über der eine Kreuzspinne saß, deren eigenes Netz fast unsichtbar blieb, weil es die gleiche Maserung hatte wie das Netz der Bauplanen. Der blaue Papiercontainer, fast leer nur ein paar Ausdrucke von Bibelversen. – – – Was wäre zu Kleists Zeiten im ALtpapier gelandet?

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Augsburg, 25. Mai.

“Kleist” in Augsburg. da spielt er in Monty Pythons “Ritter der Kokusnuss”. das Stück sahen wir nicht, es hat erst später Premiere. sah ich “Kleist”? ich sah definitiv einen Schauspieler mit dem ich arbeiten möchte. Möglicherweise auch besser. erste Termine. Probeaufnahmen Mitte Juli. Wo? Berlin? München? Rückfahrt mit der R. ein kleines Roadmovie. HItze. zwei Frauen. Ein Mann im Kopf. Auto geparkt irgendwo in der Sonne. hinterher keine Ahnung mehr wo.

Berlin, 10. Mai.

die zentrale Bühnen-Agenur schlug mehrere Schauspieler vor. will mich nicht beeinflussen lassen vom Aussehen des einen, der… der wirklich so aussieht wie… das Portrait, das er seiner Verlobten hatte malen lassen. und von dem er ihr dann (mal wieder abwesend) sagte “Küsse mein Bild”. weiß eh keiner genau wie Kleist aussah…. offensein für alle anderen Kleists. Telefonieren. welcher war jetzt der, den ich gerade im Baumarkt erwischt habe wo er ein Netz für den Balkon kaufte, wegen seiner Katze…? muss eh in echt sehen.

5. Mai, 2026,

… die isses! heute vormittag Anfrage an die Agentur, heute abend schon kam der Anruf. war nicht rangegangen, weil unbekannte Nummer. am nächsten morgen rief schon die Agentur an. Etwas beginnt wirklich zu werden. fehlt nur noch ein Kleist. und eine Arbeitsprobe. kommt mir aber “richtigrum” so vor: erst die Studentin, die sind mit Kleist herumquält (als Uni-Aufsatz), dann ihre Wohung. in der er, Kleist “in echt” landet.

“Echtes” Telefonat. Gespräch über Theater, seltsamerweise länger über Bäume, über Wahrnehmungen. die Serie in der sie spielt und die ich nicht kenne. 5 tage die Woche dreht sie, aber im November ist sie frei. und an Sonn und Montagen, fragte ob man schon vorher proben könne… offene Türen. Es fehlt fast nur noch… Kleist.

2. Mai, 26. München

Drehbuch beendet! Glücklich. Feierabendbier. weil es spät isst und niemand da ist, der Feedback geben könnte, Chat GPT gefragt. fand es gut, schien es auch tatsächlich verstanden zu haben. Spaßeshalber gefragt, ob er Besetzungsvorschläge hätte. die waren indiskutabel. Kennt er/sie/es nur Berühmtheiten, noch dazu ohne jegliche Ähnlichkeit. Für die eigentliche Protagonistin suche ich eine junge Frau, sensibel aber gelichzeitig bodenständig, mit einem Hauch von Bayrischem Dialekt. ein Kontrast zu Kleist. ChatGPT sagte, eine solche Schauspielerin gäbe es (noch) nicht, die müsse ich selber finden. Natürlich muss ich das. Fand sie in der Kartei der ZAV. in der ich alle Schauspielerinnen von A-Z durchging… kam bis “R”. die R.. die wärs!

Leipzig, MÄRZ, 2026

mein Essay “Das Kaleidoskop des Heinrich von K. – oder Kein Keks vom MInisterium” hat einen kleinen Literaturpreis gewonnen. Das Thema war “Pressefreiheit”. wollte anfangs etwas über Gaza schreiben, aber “Kleist und die berliner Abendblätter” zogen mich weg von den Kämpfen der leztzten Monate, Jahre.

Der Preis ist auch finanzielle Rettung, seit ich aufgehört habe für zeitungen zu schreiben.

Buchmesse und NIkolaikriche. sehr schöne Preisverleihiung, sogar mit Lesung. der Text ist Dank MInister Wolfgan Weimers Übergriffigkeit noch aktueller geworden. Keine Kekse von Ministerien sidn das Gesprächsthema uaf der Messe. später lange in der Stadt rumgegangen. endlich begriffen, dass “Leipziger Lerchen” nicht einfach Vögel sind, sondern ein Gebäck. es interessierte mich, weil sie in den Abendblättern vorkamen, einer HÄndlerin wurden mehr als Hundert Singvogelpasteten konfisziert, weil sie verdorben waren. was wurde aus ihr? was aus den Waren. in den Abendblättern wird viel konfiisziert. und vieles verdirbt. zum Mittagessen eingeladen wiorden tolle Menschen kennengelernt. solche, die 1998 durch ihre Berichterstattungen von der friedlichen Revolution zum Mauerfall wesentliches beigetragen haben. die Nikolai-Kirche selbst schien heute von allen seiten verschlossen. dann doch ein Hintertürchen gefunden. die Stadt sieht anders aus, Später 3 Stunden auf den Flixbus gewartet

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N O V E M B E R 2025

0. „Davor“

November, 2025. nach einem ganz anderen Kleistbrief gesucht, aber an seinem ersten hängengeblieben [ https://kleist-digital.de/briefe/001]

Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik“. –

Frankfurt Oder, 20. November 2025

hier war ich lange nicht. der Weg vom Bahnhofs zum Kleistmuseum… der raureife Morgen. die Schleichwege abwärts treppab, durch den Park. Marienkirche. Die Backstein-schornsteine und 1900-Fabrikbauten und Brachen rechts die winzigen uraltenalten Häuschen links. der Mischmasch der Zeiten, dann der grüne Wall, dahinter die Oder. Brücken. Grenzpfähle. ferner Polen. Graffiti. Bauzäune. Schilder: „kopier-Fritze“, „Frankfurt Oder baut“. Hat gebaut: Reihenhäuschen den Oderweg entlang. die kenne ich schon. nicht mehr neu, nicht häßlich, aber ich vermisse die wirre Natur, das Eichen-Efeu-Chaos, das hohe vergilbte Gras, die Wildnis von der ich vermute, dass sie zu Kleists Zeit ordentlicher. die flache Stadt. die breite Oder. die Natur, die auf der anderen Seite, der polnischen sofort anders aussieht. war sehr früh da, weil ich mit dem Beamer etwas besonderes machen wollte, aber der Beamer des hauses ließ sich nicht anders einrichten als auf die Leinwand und beim mitgebrachtefehlte doch wieder ein Adapter, immer lösen sie sich nach einer Weile in Luft auf. immer kauft man Neue. nie bleiben sie. Kaufte ich im Einkaufszentrum nicht schon einmal einen. Immer wieder komme ich in diese Stadt. Kleist ist meistens der Grund, die Anlässe oft Tagungen. die Umstände immer anders. Das erste mal kurz nach der Wende. iich hatte kein Geld mit weil die Berliner Sparkassenkarte nur in Berlin galt. ich aß Suppe neben wichtigen Leutren und Tränen fielen in die Kürbissuppe weil ich mich bereits schämte, sie nicht später nicht zahlen zu können. ich durfte anschreiben lassen und gab als Trinkgeld eine Briefmarke. heute spreche ich selbst. noch ist viel zeit bis zum Vortrag. aber der Aufwand mit den Projektionen im Raum verteilt kann ich vergessen. da hilft auch der neue Adapter nichts. eine neuer Beamer wäre gut gewesen.

eben kam irgendeine Besucher, schien erst sehr interessiert zu sein, aber suchte dann doch nur einen “Verantwortlichen” –

“verantwortlich für was?”

“Die Werbung, das Plakat da…” Er zeigte auf eine Programm-Ankündigung. Ob ich die Autorin des Plakates sei.

“Nein, ich bin nicht vom Haus. ich baue hier nur was auf für die Kleisttagung…”

“aber jemand ist Autor des Textes?”

“ja, schon…” Es war ein Ankündigungstext für eien Veranstaltung. ich wußte nicht was er meinte, es übenahm dann eine junge Frau aus der Öffentlicheitsarbeit. eine Kanonade von Rügen schoss auf sie ein. “Besucher und Besucherinnen” Dass man jetzt bei Kleist auch “dschendere” (offensichtlich war Sternchen verrutscht oder ein Doppelpunkt? oder das genderen in zusammenhang mit einem Groß- und Kleinschreib-Fehler quälte ihn. er fand kein Ende,. ging schließlich, kam wieder. drohte handgreiflich zu werden… und ich konnre nicht bleiben, wegen des fehlenden Adapters. er soll sogar ein drittes mal wieder aufgetaucht sein. Und ich wüsste so gerne was ihm eigentlich den Tag so verdorben hatte. Es muss etwas weit Existenzielleres gewesen sein. ob es ihm um Kleist ging, weiß ich nicht, ich glaube nicht.

[…]